Berggeschichten 1: Solidarität mit Albert!

So schnell kann’s gehen und man sitzt nicht mehr in der Karibik, sondern am Arlberg und wundert sich, wie warm die Märzsonne scheinen kann. Skifahren mag ja ökologisch nicht 100prozentig korrekt sein, aber schön ist es schon. Und unsereins als Pistenbenutzer tritt wenigstens keine Lawinen los und bringt auch keine tapferen  Retter  von diversen Suchkommandos in Gefahr, und wenn ab und zu die Bergrettung was zu tun hat, freut die sich und mein Freund, der Bergdoktor, macht ein Geschäft. Also bitte um Nachsicht.

Zürs wiederum mag ja politisch nicht ganz korrekt sein mit seinen Reichen & Schönen & Promis & Aristos, aber es ist ein wunderbarer Ort mit ordentlichen und sehr sympathischen Hotels wie dem “Enzian”, wo einmal im Jahr Eva aus ihrem neuesten Krimi liest und gemeinsam mit Manfred Buchinger und der örtlichen Küchen-Crew den Gästen ein Dinner um die Ohren kocht, dass die mit diesen nur so schlackern und sich bestenfalls noch wundern, wie gut die dazu präsentierten Döllinger-Weine sind. Der Skiort Zürs hat nicht nur tolle Pisten und mehr oder weniger erträgliche laute Bergrestaurants zu bieten, sondern auch ganz sympathische Ecken. Eine davon ist Albert’s Hütte bei der Stütze 6 des Seekopf-Lifts. Seit Jahren schenkt dort der pensionierte Textil-Manager Albert Vögel selbst gebrannten Schnaps und  selbst gepressten heißen oder kalten Apfelmost aus und unterhält seine Gäste mit allerlei Geschichten. Unter anderem mit der vom Schnapskanister, den er wie üblich vom Sessellift bei der Stütze 6 abgeworfen hat, und der einfach verschwunden war, bis er im Frühjahr wieder heraus geapert ist. Die Hütte steht auf Albert Vögels eigenem  Grundstück,  und er hat lange um sie kämpfen müssen – würde  sein Grund nicht für die Skipiste benötigt werden, hätte er nach eigener Einschätzung keine Chance auf Genehmigung des Ausschanks gehabt. Denn selbst die paar hundert Liter Selbstgemachtes und dazu ein paar Flaschen Bier und ein paar Packerln Mannerschnitten taten und tun manchen Leuten offenbar weh. Ja, der Neid ist ein Luder. Und so scheint Albert, der sich durchaus zu einem gewissen querulatorischen Durchhaltevermögen bekennt, jetzt wieder eine Schlacht verloren zu haben. Die Hütte ist zu, an der Wand hängt die Kopie eines amtlichen Schreibens, das ihn von der Anzeige informiert, die der Geschäftsführer des Seekopf-Restaurants erstattet hat: wegen illegalen gewerblichen Ausschanks und so, wegen möglicherweise fragwürdiger hygienischer Verhältnisse, da es nicht einmal Fließwasser gebe (die Fassung einer Quelle auf seinem Grund wurde nie genehmigt), fehlender Toiletten usw. usf. Der Bürgermeister wies Herrn Vögel im Auftrag der Bezirkshauptmannschaft Bludenz mit 13. März 2011 an, die Hütte zu schließen. Und die Holzterrasse,  auf der SkifahrerInnen eine Pause mit prachtvoller Aussicht genießen können, solle auch abgerissen werden. Na klar, da könnte ja jemand ein paar Minuten Ausspannen, ohne was konsumieren zu müssen, oder wie, oder was?Albert vermutet den Besitzer eines Großhotels hinter der Schikane, und er will weiter kämpfen. Meine volle Solidarität hat er!

Update 2012

Es sieht so aus,als hätte Albert aufgegeben. Schade.

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